Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe meines Newsletters. Ich hoffe, du hattest einen guten Start ins neue Jahr. Der Januar ist kaum vorbei, aber ich habe angesichts des rasanten Weltgeschehens das Gefühl, dass schon wieder so viel los war, dass es eigentlich für das ganze Jahr reichen würde. Wilde Geopolitik, Stromausfall in Berlin, öffentliche Debatten über „Remigrationspläne“: wir spüren jeden Tag, wie uns die Gleichzeitigkeit verschiedener Krisen fordert und überfordert.

Bei den Australian Open laufen Matches derzeit trotz Temperaturen um die 50 Grad weiter, während Spieler*innen immer wieder kurze Pausen brauchen, weil ihr Körper unter der extremen Hitze an die Belastungsgrenze kommt. Dass in Down Under extrem heiß ist, während Nordamerika mit Winterstürmen kämpft, ist kein Zufall, sondern ein deutliches Zeichen dafür, dass unser Klima aus dem Takt geraten ist.
Genau darum geht es in dieser Ausgabe von Temperatur & Taktik: um Hitze, Anpassung, Gesundheitsfolgen. Und um die Frage, wie und wann wir endlich anfangen, diese neuen Normalitäten ernsthaft einzuplanen, statt sie jedes Mal überrascht zur Kenntnis zu nehmen.
Wie immer gilt: Klimaanpassung darf auch Spaß machen. So genieße ich die zugefrorenen Berliner Seen gerade sehr und freue mich einfach, dass ich nach Jahren mal wieder ausgiebig Schlittschuh Laufen konnte. Auf dem Bild seht ihr mich begeistert auf dem Müggelsee.
Viel Spaß beim Lesen wünscht
Deine Andrea
Hoffnung für Deutschland?
In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein für die gesundheitlichen Folgen von Hitze zum Glück deutlich gestiegen. Immer mehr Kommunen, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen erarbeiten Hitzeschutzkonzepte – und das ist richtig und wichtig. Doch leider kommt ein zentraler Themenkomplex hierbei weiterhin oftmals zu kurz: Katastrophenschutz im Kontext extremer Hitze. Gemeinsam haben die AOK Baden-Württemberg, die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) und die Landesärztekammer Baden-Württemberg ein Positionspapier zum Thema Extremhitze veröffentlicht. Dieses zeigt: Zur Vorbereitung auf Hitzekrisen bleibt noch viel zu tun. Mit dem Papier wird erstmals veranschaulicht, was es bräuchte, um gut auf Hitzekrisen vorbereitet zu sein. Das ist ein guter Anfang.
👉 Im nächsten Schritt sollte diese Bedarfsanalyse dazu führen, konkrete und praxistaugliche Handlungsoptionen für Kommunen und Organisationen zu entwickeln, die sich tatsächlich umsetzen lassen.
Hoffnung für die Welt?
Auch international wird weiter daran gearbeitet, Probleme nicht nur zu beschreiben, sondern Lösungen greifbar zu machen. Zunehmend mehr Länder entwickeln Hitzeaktionspläne, um ihre Bevölkerung zu schützen. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass sich das richtig lohnt. Über Länder und Klimazonen in Europa hinweg sinkt dank Hitzeaktionspläne die Sterblichkeit durch Hitze um 25 %. Von 1990 bis 2019 konnten damit in Europa 14.500 Todesfälle verhindert werden.
Nachdem es in den letzten beiden Newslettern um die Dürre im Iran ging, hat sich die Situation für die Menschen dort inzwischen dramatisch verschlechtert. Proteste gegen die Regierung wurden und werden brutal vom iranischen Regime niedergeschlagen. Die Dürre ist zwar nicht die eigentliche Ursache für die Proteste, dennoch lohnt es sich zu untersuchen, welchen Einfluss sie auf die wirtschaftliche Lage der Menschen in Teheran hat. Denn all diese Faktoren – Dürre, wirtschaftliche Situation, Inflation und Ausbeutung der natürlichen Lebensgrundlagen – hängen unmittelbar miteinander zusammen. Dieser Artikel gibt dazu einen sehr guten Überblick.
Digital in die Zukunft
Der Stromausfall in Berlin hat vielen Menschen eindrucksvoll vor Augen geführt, wie abhängig wir von einer funktionierenden Energieinfrastruktur sind und wie wichtig es ist, auch persönlich vorzubeugen. Krisenvorsorge bleibt allerdings oft abstrakt. Genau hier setzt die App Krisopolis an. Darin werden Krisenszenarien in ein digitales Planspiel übersetzt. Als Spieler*in versuchst du gemeinsam mit deinen Nachbar*innen in einer digitalen Stadt möglichst gut durch verschiedene Krisen zu kommen. Damit du es durch Stromausfälle, Lockdowns oder Trinkwasserverunreinigung schaffst – um nur einige Szenarien zu nennen – ist es entscheidend, dass du deine Nachbarschaft kennst und richtig vorsorgst. Mit Krisopolis kannst du deine Bildschirmzeit sinnvoll verbringen und dazu lernen – und ja, es macht auch richtig Spaß.
Diese Technologie wird uns retten
Nicht jede Lösung für mehr Hitze braucht Hightech. Ein interessanter Ansatz sind spezielle Farben für Innenräume und Fassaden, die weit mehr können als nur gut aussehen. In ihnen stecken unter anderem fein strukturierte mineralische Bestandteile, die Wärme reflektieren und gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit im Raum regulieren können.
Die Idee dahinter ist simpel: Wände sollen sich weniger aufheizen und Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und wieder abgeben können. Das kann Räume im Sommer spürbar kühlen, im Winter wärmen und insgesamt für ein ausgeglicheneres Raumklima sorgen – ganz ohne Klimaanlage oder zusätzliche Technik.
Gerade in bestehenden Gebäuden, die nie für immer heißere Sommer konzipiert wurden, sind solche Anstriche ein leiser, aber wirksamer Beitrag zur Klimaanpassung.
Wer soll das bezahlen?
Für diejenigen, die trotz innovativer Farben auf Klimatisierung angewiesen sind, fördert der Bund noch bis Ende 2026 die Anschaffung oder Umrüstung von Klimaanlagen, um den Stromverbrauch zu senken und den Einsatz besonders klimaschädlicher Gase in Kälte- und Klimasystemen zu reduzieren. Die Förderbedingungen findest du hier.
Klimaanpassung aus der Hölle
Für meine Lieblingsrubrik kehren wir noch einmal zurück nach Australien: Das bereits erwähnte Tennisturnier “Australian Open” wird zum Praxisbeispiel, wie extreme Hitze den Profisport verändert – und wie gefährlich das ist. Titelverteidiger Jannik Sinner entwickelte während des Spiels Hitzekrämpfe, unübersehbar für das Publikum vor Ort und vor den Bildschirmen weltweit. Erst nach einer Kühlpause konnte der Italiener weiterspielen. Um Zuschauer*innen, Spieler*innen und Mitarbeitende zu schützen, wird das Stadiondach regelmäßig geschlossen und die Halle klimatisiert. Spielpausen, spätere Startzeiten und Sprühnebel im Stadion zeigen, welche Anpassungen möglich sind. Gleichzeitig wird deutlich, wie begrenzt diese Spielräume sind: Zwar wurde der Beginn des Rollstuhl-Wettbewerbs um einen Tag verschoben, darüber hinaus beschränkten sich Spielverlegungen jedoch auf Anpassungen innerhalb der Turniertage. Und während wir einerseits sehen, wie vielfältig die Handlungsmöglichkeiten sind, muss man sich doch andererseits fragen, ob das gerechtfertigt ist. Aufwand und Ergebnis sind meines Erachtens völlig verhältnislos.
Langfristig ist es kaum vertretbar, die Australian Open im australischen Hochsommer auszutragen. Die Klimatisierung großer Tennishallen kann dabei höchstens eine Übergangslösung sein.
Hörtipp: Wenn du mehr über sinnvolle Anpassungsmaßnahmen im Sport wissen möchtest, kannst du dich auf meine zweite Podcastfolge freuen. Mit Sandra Broschat, Leiterin für Nachhaltigkeit beim SV Werder Bremen, spreche ich über Klimaanpassung bei ihrem Verein, aber auch über die Australien Open und die Grenzen von Anpassung.
Hast du dich gerade gefragt „Welcher Podcast denn?“. Hier kommt die Auflösung:
Zum Newsletter „Temperatur & Taktik“ gibt es ab dem 19. Februar meinen gleichnamigen Podcast. In der ersten Folge spreche ich mit meiner ehemaligen Kollegin am BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin Ulrike Krol über Hitzeschutzmaßnahmen in Krankenhäusern. Ich freue mich schon sehr auf diese Premiere und hoffe, dass du Lust hast, mal reinzuhören!
Neugierig geworden?
Im Newsletter erhalten Sie regelmäßig interessante Neuigkeiten zu praktischen anwendbaren Entwicklungen rund um die Themen Planetare Grenzen, Hitze und Klimaanpassung.
